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Weihnachtsgeschichte für Jugendliche und Erwachsene

Weihnachtsessen kommunikativ

von Ida Ryperga

  

WeihnachtsessenUnsere Familie zerlegt sich zunehmend in immer unterschiedlichere Standorte. Von Nordrhein-Westfalen über das Saarland bis nach Österreich sind wir zerstreut. Die drei Töchter haben offensichtlich Wanderblut in ihren Adern. Oder sind es einzig die berufsbedingten modernen Ortswechsel, die diese Zerstreuung bewirken?

Wie dem auch sei, wir haben uns darauf geeinigt, dass Heiligabend der ganzen Familie gehört und im Elternhaus in Mittelhessen gefeiert wird.  Zu diesem Zweck muss selbstverständlich ein Weihnachtsessen auf den Tisch. Die moderne Kommunikation sorgt dafür, dass wir in kürzester Zeit in regem Austausch miteinander  sein können.  Jedes Familienmitglied kann bis zu einem festgesetzten Stichtag einen Menüvorschlag einreichen, über den dann abgestimmt wird.

Die Sache mit dem Wunschzettel, der jeweils eingereicht werden muss, gestaltet sich da wesentlich komplizierter. Dieses Jahr wurden sog. Geschenke gruppen bei What’s App eingerichtet, die von den sich jeweilig bildenden Interessenten bedient wurden. Auf diese Weise wird vermieden, dass es zu Doppelungen bei den Geschenken kommt. Außerdem können sich mühelos mehrere Personen zusammenschließen und ein größeres Geschenk finanzieren.

Natürlich muss dabei aufgepasst werden, dass der potentielle Geschenkeempfänger vom Empfang der hin und her „fliegenden“ SMS ausgeschlossen bleibt. Es erfordert bei 12 Familienmitgliedern ein gewisses Maß an Konzentration, dass man sich in der vorweihnachtlichen Hektik nicht „buchstäblich verhaut“ und der Geschenkeempfänger unfreiwillig in die heimlichen Verhandlungen mit einbezogen wird.

Mitunter tauchen auch Missverständnisse über den Charakter des Geschenks als solches auf. Dieses Jahr führte eine gewünschte Bartlotion zu einer gewissen Erheiterung. Der zu Beschenkende verfügt über ein eher spärliches Haupthaar, jedoch über einen gesunden Bartwuchs. Spekulativ stand in der Rückfrage zum Geschenk, ob es sich dabei um ein Haarwuchsmittel handele…? Nun, nicht jeder kann beim unübersehbaren Angebot an Pflegemitteln auf dem Laufenden sein.-  Zudem kamen von anderen Mitgliedern dieser Geschenkegruppe der Einwurf, dass man bestimmte männliche Personen von diesen Dialogen sozusagen „aussperren“ sollte, um sie nicht hinsichtlich ihres eigenen Outfits „auf Ideen zu bringen“. - Der nachhaltige Hinweis, dass auf diese Weise der ökologische Fußabdruck des Betreffenden verkleinert werden könnte, verfing nicht. Ebenso wurde jedoch auch der freie Austausch von Meinungen und Gedanken nicht eingeschränkt.

Selbstredend kommt da ein Berg  von Geschenken  zusammen, der einen schon an der Sinnhaftigkeit dieser Unternehmung zweifeln lässt. Jedoch wurde bisher der Vorschlag, innerhalb der Familie zu Wichteln, abgeschmettert. Dieser wurde vorgetragen von den auf Effizienz und Wirtschaftlichkeit getrimmten jungen Männern. Die weibliche Mehrheit wehrte ihn dieses Jahr noch einmal erfolgreich ab.

Nun zurück zum Weihnachtsessen. Traditionell gehört dazu das Lebkuchenmousse. Die jüngste Tochter ist auf Desserts spezialisiert und richtet das mittlerweile „aus dem Schlaf“ an. Dieses Jahr kam noch eine gegrillte Eiskugel hinzu.

Der Hauptgang wird von mehreren Familienmitgliedern gemeinschaftlich vorbereitet, wobei sich der Schwiegersohn als guter Organisator in der Küche seit Jahren bewährt hat. Die Schwiegertochter hingegen sorgt gerne für die Vorspeise: Salat oder ein leckeres Süppchen.

Also, die Rollen sind weitgehend verteilt.  Die Tischdeko wird von der Kommunikationsdesignerin liebevoll und aufwendig erstellt. Neuerdings wird in diesem Zusammenhang auf Nachhaltigkeit Wert gelegt, d. h. sie ist wiederverwendbar.

Die konkreten Dinge des Lebens (Geschirr, Besteck, Gläser) fallen in mein Hoheitsgebiet. Der Hausherr fühlt sich für die Getränke verantwortlich, der  auch für den Weihnachtsbaum zuständig ist. So sind in Summa alle beschäftigt.

Im Vorfeld heißt es jedoch sich auf ein Menü zu verständigen. Es gibt Regungen innerhalb der Familie, die gerne einfach einmal Kartoffelsalat und Würstchen an Heiligabend essen wollen. Auch dieses Ansinnen wurde bisher vereitelt.  So bleibt es dabei: Jeder darf einen Menüvorschlag einreichen, über den dann per Mail in einer eigens für diesen Zweck eingerichteten dropbox abgestimmt werden darf. Dies regelt unsere „Frau Wirtin“ in der Familie. 

Das Verfahren  wurde dahingehend modifiziert, dass über einzelne  Teile des Menüs abgestimmt wird, nachdem vor einigen Jahren das mittelhessische Katzenorakel ein Patt aus der Welt schaffen musste. Was war passiert? Die Abstimmung über drei komplette Menüfolgen war quasi ohne Entscheidung ausgegangen. Nun musste irgendetwas passieren, damit eine unparteiische Instanz quasi  die Auswahl traf.

Fleischmäßig standen Rehkeule, Schweinefilet und Hühnerfrikassee zur Auswahl .  Die einzige unparteiische Person, wenn man so will, ist mein haariger WG-Partner Mäuschen, unsere Hauskatze. Sie ist frei von Interessen bezüglich des Weihnachtsessens. Darum war sie geradezu dafür prädestiniert, die Wahl zu treffen. Und ist es nicht fast archaisch ein Orakel zu befragen?

Ich kaufte also drei Sorten hochwertiges Katzenfutter in der jeweiligen zur Wahl stehenden Geschmacksrichtung. Wild und Huhn waren kein Problem. Jedoch Schweinfleisch gibt es nicht als Katzenfutter. Als Kompromiss erwarb ich die Geschmacksnuance Kalb.  Wir suchten also drei Untertassen her, beschrifteten sie jeweils mit Menü 1, 2 oder 3 und taten eine Kostprobe der entsprechenden Fleischsorte darauf. Fehlte nur noch das Medium zur Entscheidungsfindung. Als es vom abendlichen Freigang wiederkam und entsprechend hungrig war, setzten wir es in der Stube vor die Geschmacksproben. Die „Orakelkatze“  war von der Situation leicht irritiert, die reiche Auswahl entzückte sie nahezu. Und da sie den fleischlichen Genüssen nicht abhold ist, hat sie natürlich alle Sorten probiert, sich genießerisch das Maul geleckt um dann die Kalbsversion radikal bis auf den letzten Krümel zu vernichten.  Wenn das keine eindeutiges Votum war! So wurde die unparteiische Entscheidung getroffen  und der Familienfriede blieb gewahrt.

Der ganze Vorgang wurde von der Tochter per Handy gefilmt, so dass an der getroffenen Auswahl kein Zweifel herrschen konnte. Später hat sie das Filmchen ins Internet gestellt, unterlegt mit Mariah Careys „All I want for Christmas“ und per Mail an die Familienmitglieder versandt.

Wenn wir von diesen vorweihnachtlichen Aktivitäten berichten, gibt es unterschiedliche Reaktionen. Zunächst heißt es: Ooh, das ist aber viel Arbeit. Und das alles vor Weihnachten! Was gibt es denn zu essen? Ich glaube, ich würde gerne bei euch mitessen…

Also unterm Strich muss gesagt werden: Viel Arbeit. Derjenige, der die Organisation mit dem Internet hat, ist gut beschäftigt und braucht etwas Kampfgeist, denn die Familienmitglieder nehmen den Service gerne an und richten sich mitunter in  der familiären Hängematte ein: „Wann machst DU denn endlich….?“. Diesem unbotmäßigen Ansinnen muss dann eben mit ein paar herzhaften Worten begegnet werden. Denn Eigeninitiative ist in solch einem Verfahren durchaus willkommen und Kommunikation eben alles.  Die gemeinsame Vorbereitung des Weihnachtessens bietet eine gute Gelegenheit miteinander ins Gespräch zu kommen, vor allem, weil wir uns alle so selten sehen. Nach diesem Warming up  kann der Heilige Abend in entspannter Atmosphäre miteinander verbracht werden.
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