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Weihnachtsgeschichte für Kinder

Friedolin, das Räuchermännchen

 von Miriam Hacker

Noch vor wenigen Tagen verbrachte Friedolin, das kleine aus HolzRäuchermännchen gefertigte Räuchermännchen, sein Dasein in einem der mit Fichtenzweigen festlich geschmückten Holzbuden am Weihnachtsmarkt. . Nachdenklich erinnerte er sich an die klirrend kalten Tage im Freien zurück. „Dass du mir über die Adventtage nicht das Weihnachtsgeschäft mit deiner dauernden Plapperei verdirbst“, flackste Werner der Holzbudenbesitzer Friedolin an und drohte ihm grimmig: „Sonst verheirate ich dich einfach mit der Nussknackertochter Erna!“ Bumm, das hatte gesessen. Ausgerechnet mit Erna, der furchterregend aussehenden Erna mit ihren großen spitzen Zähnen, bei der jede Nuss beim Anblick ihres Monstergesichtes von selber entzwei brach. Das war ja wahre Erpressung und Friedolin war empört über die heftige Drohung und schwor sich, keinen Laut mehr von sich zu geben. Er hoffte auf ein Weihnachtswunder, auf eine Entführung einer guten Fee oder noch besser, dachte er, einen Weihnachtsengel, der ihn mit auf die Reise zum Mond mit den vielen leuchtenden Sternen nimmt. Jeden Tag beobachtete Friedolin ganz genau all die vorbeigehenden Leute, immer in der Hoffnung eine Fee oder einen Weihnachtsengel darunter zu erspähen. Was für Leute es da alles gab, Junge und Alte, Große und Kleine, Dicke und Dünne, er kam aus dem Staunen nicht heraus. „So viele Menschen  und keiner will mich haben“, murmelte er traurig in seinen Bart. „Musst mich wohl doch heiraten, he, he“, spottete Erna, die in der zweiten Reihe auf dem Holzregal neben all den anderen Nussknackern platziert war. „Hab dich gestern gesehen als du dem kleinen Mädchen mit der Zuckerwatte in der Hand die Zunge gezeigt hast“, lästerte sie weiter. Friedolin stampfte mit einem seiner hölzernen Beinchen auf und fauchte zornig zurück: „Muss ich mir denn alles gefallen lassen? Hast du auch gesehen, wie sie  mich am Bart gezogen hat mit ihren von der Zuckerwatte klebrig gewordenen Fingern?“, verteidigte sich Friedolin. „Dauernd greifen mich Leute mit ihren schmutzigen Händen an, bald wird mein weißes Haar und mein weißer Bart schwarz sein und Werner kann mich als Schornsteinfeger-Abklatsch zum Verkauf ausstellen“, fuhr er verzweifelt fort. „Ich hab alles hier so satt!“, brüllte Friedolin erboßt. „Werner, dich und all die gaffenden vorbeiziehenden Leute!“ Erna und die anderen Nussknacker staunten nicht schlecht über Friedolins Wutausbruch. Es dauerte aber nicht lange und sie spotteten schon wieder und machten sich über Friedolin lustig. Doch plötzlich verstummten alle, ein Aufschrei zog ihre ganze Aufmerksamkeit auf sich. „Sieh nur, wie süß der ist!“, hörten sie eine junge Frau ihrer Freundin vor Begeisterung laut zurufen. „Den will ich haben!“ und bevor Friedolin sich versah, hatte sie ihn mit ihren Händen umgriffen und zog ihn an sich heran. „Mmmmh und wie der herrlich duftet!“ „Ja, nach Weihrauch und Myrrhe“, brummelte Friedolin heimlich, rollte auffordernd lustig mit seinen Kulleraugen und hoffte, das hübsche junge Fräulein würde ihn mit sich nach Hause nehmen, ihn vor dem bösen Werner, der hässlichen Erna und ihrer dämlichen Nussknackerfamilie retten. Vielleicht war die junge blonde Frau ja sogar die Fee, die er sich vor wenigen Tagen noch so sehr gewünscht hatte oder gar ein Weihnachtsengel? Bevor er sich vor lauter Begeisterung nicht mehr im Zaum halten konnte, bremste er sich schnell wieder ein und beruhigte sich innerlich und sprach sich Mut zu. „Nur nicht die Ruhe verlieren Friedolin, alles wird gut“. Und schwups, da packte Werner den kleinen hölzernen Friedolin am Schopf, wickelte ihn in ein weißes Seidenpapier und verpackte ihn in eine Tüte. Friedolin versuchte sich zu wehren, aber es war sinnlos, er war gefangen. Alles war so finster, er hatte Angst und schrie um Hilfe, aber keiner konnte ihn hören. Er fing an zu schluchzen und Tränen kullerten über seine Wangen. „Das war’s nun“, seufzte er. „Jetzt ist alles zu Ende, aus und vorbei“, stammelte er weiter. „So sehr hab ich gehofft, das hübsche junge Fräulein mit den blonden Haaren würde mich zu sich nach Hause nehmen und Schuld daran ist nur dieser blöde Werner!“, schrie er laut. „Warum tut er mir das bloß an?“, Friedolin kämpfte erneut mit den Tränen. Doch auf einmal raschelte es furchtbar laut. Jemand zerrte und riss an dem Papier, das um seinen Körper gewickelt war. Zarte weiche Hände befreiten ihn von der Finsternis. Er konnte es nicht glauben, er sah in die wunderschönsten blauen Augen, die er je gesehen hatte. Er strahlte über’s ganze Gesicht, es war die junge hübsche blonde Frau vom Weihnachtsmarkt, er erkannte sie gleich. „Sieh doch mal, wie sich unser Männchen freut“, zeigte sie Friedolin lächelnd ihrer Freundin, gab ihm einen Kuss und zündete seine mit Weihrauch und Myrrhe vollgestopfte Pfeife an und stellte ihn an den schönsten Platz in ihrem Wohnzimmer. „Das ist das allerschönste Weihnachten!“, gluckste Friedolin erleichtert und glücklich. „Mein Wunsch ist in Erfüllung gegangen, ein blonder Engel hat mich vor dem bösen Werner und der gruseligen Erna gerettet“, schmunzelte er zufrieden. Er war für immer in Sicherheit.

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