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lustige, kurze Weihnachtsgeschichte für Kinder

Weihnachtsmann auf falschen Sohlen

 von Octavia Bender

Lina war das Nesthäkchen der Familie Weber. Als jüngster Spross wurde sie zwanzig Jahre nach ihrer Schwester Sonja geboren. Zwischen den beiden lagen noch drei Brüder.

    Das Leben als jüngstes Familienmitglied hatte durchaus seine Vorteile, wurde Lina doch von den Eltern und Geschwistern verwöhnt. Sonja hatte im Jahr ihrer Geburt geheiratet, und ein Jahr später hatte Thomas das Licht der Welt erblickt – Linas Neffe. Es war kurz nach Ende des zweiten Weltkrieges und Wohnungen waren knapp, so dass Sonja mit ihrem Mann Erwin und Thomas bei ihren Eltern lebte. Dadurch wuchsen Thomas und Lina fast wie Geschwister auf.

     Das Weihnachtsfest stand vor der Tür und Lina, mit ihren fast fünf Jahren die ältere, erklärte Thomas ihre Erfahrungen vom letzten Jahr. Der Weihnachtsmann würde nun bald wieder kommen! Sie erinnerte sich noch recht genau an den bärtigen Mann mit dem roten Gewand und dem großen Jutesack, aus dem er alle möglichen Geschenke hervorgezaubert hatte. Doch, der Weihnachtsmann war wirklich schlau, das  musste sie zugeben. Er hatte sogar von ihren Schandtaten gewusst, zum Beispiel, dass sie sich das weiße Sonntagskleid an einem Ast im Schrebergarten zerrissen hatte – dabei war das schon ewig lange her. Er hatte aber auch gelobt, dass sie der Mutti beim Unkrautjäten im Gemüsegarten geholfen hatte. Lina fragte sich, ob der Weihnachtsmann wohl dieses Jahr wieder alles beobachtet hatte. Mit schlechtem Gewissen dachte sie an den Ball, den sie in die Scheibe der Gartenlaube geworfen hatte. Der Ball war auf dem gedeckten Kaffeetisch gelandet und hatte ziemlich viel Schaden angerichtet. Oje, das hatte eine Menge Ärger gegeben. Der Ball war ein Geschenk des Weihnachtsmannes beim letzten Fest gewesen. Eigentlich traf sie doch gar keine Schuld. Hätte der Weihnachtsmann ihr nicht den Ball geschenkt, wäre das Unglück gar nicht erst passiert! Thomas sah Lina bei all ihren Überlegungen und Ausführungen groß an. Er hatte nur recht verschwommene Erinnerungen an das letzte Weihnachtsfest. Nun, dieses Jahr würde er gut aufpassen!

     Als es draußen endlich dunkel wurde saßen Lina und Thomas gespannt in der guten Stube. Der alte Kachelofen bullerte leise vor sich hin. Die Äpfel im Backfach verströmten aromatische Gerüche, die einem das Wasser im Munde zusammen laufen ließen. Auch die Eltern, Sonja und der 16-jährige Paul warteten in der Stube. Sie hatten gemeinsam das kleine Weihnachtsbäumchen mit Lametta, silbernen Kugeln und echten Bienenwachskerzen geschmückt. Mutti hielt ein dickes Buch auf dem Schoß und las Weihnachtsgeschichten vor, als es plötzlich im Hausflur rumpelte und polterte. Alle horchten auf, es pochte an der Tür.

    „Einen Moment, bitte, lieber Weihnachtsmann“, rief die Mutti, „wir wollen eben noch die Kerzen anzünden.“ Sie nahm die Zündhölzer zur Hand.

    „Bitte warte noch ein bisschen länger, lieber Weihnachtsmann“, ergänzte Lina, „unser Onkel Erwin ist auch noch nicht da!“

    Sonja warf ihrer Mutter einen entsetzten Blick zu. Die hielt das entzündete Streichholz in der Hand und vergaß, es an die Kerzen zu halten. Fast verbrannte sie sich die Finger. Als Sonja zu ihrem Vater schaute, registrierte sie ein unterdrücktes Schmunzeln, doch dann meinte er ganz ruhig: „Onkel Erwin muss noch einen Auftrag für mich erledigen. Wir können den Weihnachtsmann nicht so lange warten lassen, Linchen. Er will doch auch noch bei anderen Kinder bescheren.“ Das war überzeugend.

    Also lief Lina zur Tür, öffnete sie einen Spaltbreit und ließ dann den Weihnachtsmann eintreten. Sein Jutesack sah vielversprechend aus. Aber die Rute, die ihm am Gürtel baumelte, gefiel Lina überhaupt nicht.

    „Guten Abend, liebe Kinder und liebe Eltern!“ Der Weihnachtsmann blickte sich in der Runde um. Lina starrte ihn an. Ihr Blick verriet Skepsis. Die Stimme kam ihr irgendwie bekannt vor, obwohl sie niemanden mit so einer tiefen Stimme hätte kennen können.

    „Na, Linchen“, sprach der Weihnachtsmann sie an, „wieder einmal nicht so ganz bei der Sache, nicht wahr?“

    „’tschuligung“, murmelte sie und zog den Mund zu einer kleinen Schnute.

    „Wer hat mir denn etwas zu bieten?“ wollte der Weihnachtsmann wissen. „Ein Gedicht oder ein Lied?“

    Thomas holte zweimal tief Luft, bekam aber keinen Laut heraus. Hilflos zupfte er Lina am Ärmel. Die stellte sich in Positur und begann:

                            „Lieber, guter Weihnachtsmann,

                              schau mich nicht so böse an,....“

    Sie drehte sich um. „Mutti, eigentlich schaut er gar nicht böse“, stellte sie flüsternd fest. Ihre Mutter gab ihr einen bedeutungsvollen Schubs, murmelte: „Weiter, Linchen...“, dann presste sie die Lippen fest aufeinander und vermied es, den Papa anzusehen.

                              „...will auch immer artig sein, ...“

fuhr Lina fort, drehte sich nochmals zu ihrer  Mutter um und meinte: „Eigentlich bin ich doch immer artig, oder?“

    Der schneeweiße Rauschebart des Weihnachtsmannes bebte. Um seine wasserblauen Augen herum, die unter buschigen, ebenso weißen Brauen hervorlugten, bildeten sich unzählige Fältchen. Die kleingläserige  runde Brille geriet ins Wanken. Der Schnäuzer, der seine Oberlippe mehr als bedeckte, begann zu zittern und rutschte bedenklich zu einer Seite. Geistesgegenwärtig hob der Weihnachtsmann die Hand, ließ ein ordentliche „Haaa...tschi“ ertönen und presste den Bart wieder  an die ihm zugedachte Stelle.

    Lina reichte ihm ihr Taschentuch, dann trug sie den Rest ihres Gedichtes vor. Anschließend nahm sie Thomas an die Hand. „Jetzt du! – Ich helf’ dir!“ Thomas betrachtete den Weihnachtsmann  mit gerunzelter Stirn, als wolle er abwägen, ob sich die Anstrengung überhaupt lohnen würde. Er begann:

                                         „Ach, du lieber Nikolaus,

                                           komm doch einmal in mein Haus...“

    „Siehst du, auf Weihnachtsmann reimt es sich nicht“, erklärte Lina und bekam einen Schubs von hinten.

    Thomas fuhr fort:         „Hab so lang an dich gedacht!

    Hast du mir auch was mitgebracht?“

    Das war’s!

    Der Weihnachtsmann hielt sich verbissen an der Rute fest, die von seinem Gürtel baumelte. Der Zug löste den Gürtel ein wenig, und das unterdrückte Kichern tat sein Übriges. Auf einmal sackte der Bauch des Weihnachtsmannes ein ganzes Stück nach unten. Erschrocken schlug er die Hände davor zusammen. Einen Moment lang spiegelte sich Entsetzen in seinen Augen, bis Papa Weber rettend eingriff. „Lieber Weihnachtsmann, dürfen wir dir vielleicht einen Stuhl anbieten?“ fragte er.

    Dankend nahm der Weihnachtsmann an und sammelte ein wenig seiner Würde wieder ein. Linas besorgte Frage, ob er Bauchweh habe, ignorierte er so gut er konnte.

    Thomas wurde ausgiebig gelobt und bekam ein paar eingepackte Geschenke, von denen er sogleich mit strahlenden Augen begeistert das Papier abriss.

    „Und Linchen“, begann der Weihnachtsmann, „meinst du denn, du hast dieses Jahr Geschenke verdient?“

    Lina sah etwas verlegen zu Boden.

    „Du hattest da ja wohl so ein kleines Missgeschick, wenn ich mich recht entsinne, mit einem Ball, stimmt’s?“

    Lina fing an, auf dem Zeigefinger zu kauen.

    „Und so einige Teller und Tassen hat es dabei auch erwischt, nicht wahr?“

    Musste er denn so weiterbohren? Sie wusste selber, dass die Sache mit dem Ball nicht toll gewesen war, aber sie hatte doch schon Ärger genug damit gehabt! Auf einmal reichte es ihr. „Du hast mir doch den Ball letztes Jahr geschenkt!“ fuhr sie auf. „Ohne den blöden Ball wäre doch alles gar nicht passiert!“

    Erschrocken über die heftige Reaktion, vergaß der Weihnachtsmann einen Moment seine Rolle. „Na, hör’ mal! Für seine eigenen Fehler muss man schließlich selber die Verantwortung übernehmen!“ Dann riss er sich wieder zusammen und meinte etwas milder. „Nun, du hast dafür gebüßt und wir wollen das ganze vergessen.“

    „Find’ ich auch!“ stimmte Lina nachdrücklich zu und betrachtete interessiert ihr Gegenüber. Wer hatte das schon einmal zu ihr gesagt? Beim Anblick ihrer Geschenke vergaß sie es allerdings wieder, und sie begann aufgeregt, sie auszupacken. Die Gelegenheit nutzte der Weihnachtsmann. Er raffte seine Sachen zusammen, hielt den jetzt leeren Jutesack vor seinen rutschenden Bauch und wollte sich leise durch die Stubentür nach draußen schleichen.

    „Mein Taschentuch!“ rief Lina hinterher. „Es sollte eigentlich nur... leihweise sein“, fügte sie etwas schüchtern hinzu.

    Die Tür öffnete sich noch einmal, der Weihnachtsmann kam auf einen Sprung zurück, reichte Lina ich Taschentuch – es war schweißnass – dann verließ er das Zimmer vollends.

    Lina starrte auf die verschlossene Tür, betrachtete das Taschentuch und sah wieder zur Tür. Sie verschränkte die Arme, legte den Kopf schief und stützte ihr Kinn nachdenklich mit einer Hand.

    „Was hast du denn Linchen?“ fragte ihre Mama. „Willst du gar nicht wissen, was in den Päckchen ist?“

    „Weißt du was, Mutti“, stellte Lina leise – doch fast ein wenig entrüstet - fest, „der Weihnachtsmann – der hatte Onkel Erwins Stiefel an!!!“

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Wir hoffen, dass dir diese schöne, lustige und kurze Weihnachtsgeschichte gefallen hat.
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