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Sehr lange Weihnachtsmanngeschichte für Kinder

Die Weihnachtsmission

von Klaus-Peter Behrens


Der Weihnachtsmann„Heiligabend fällt dieses Jahr aus!“

Irritiert sah der Weihnachtsmann von dem beeindruckenden Stapel der noch abzuarbeitenden Wunschzettel auf, der wie ein kleiner Berg auf seinem rot lackierten Schreibtisch thronte und musterte den Besucher mißbilligend, der es gewagt hatte, so einfach in sein Büro zu stürmen. Natürlich Vingo, ging es ihm durch den Kopf, während ein tiefer Seufzer seiner Brust entfleuchte. „Was ist denn nun schon wieder?“, fragte er den aufgebrachten Elfen, dessen Kopf gerade einmal über die Tischkante reichte. Aber die mangelnde Größe stand in keinem Verhältnis zu dem aufbrausenden Wesen des Elfen. Seine spitzen Ohren wackelten bedenklich als er Luft holte, um seinen Unmut kund zu tun.

„Die Produktion für Actionfiguren läuft auf Hochtouren“, knurrte er.

„Das hör ich gern“, brummte der Weihnachtsmann, lehnte sich zurück und faltete die Hände über seinem, sich bedenklich spannenden Wams.

„Die Nachtschicht der Zwerge hat einen neuen Rekord im Verpacken von Computerspielen aufgestellt, und im Testlabor wird gerade eine neue Generation von Spielzeugpistolen im Science Fiktion Look zum Verschenken freigegeben.“

„Bestens, bestens“, freute sich der Weihnachtsmann, „und was soll dann der Zwergenaufstand? Entschuldigung“ brummte er, als sein Assistent, der Zwerg Zwolgo, verärgert von seiner Arbeit aufsah. „War nicht so gemeint.“

Dann wandte er sich wieder Vingo zu, der seine beiden Arme aufgebracht in die Seiten gestemmt hatte und den Weihnachtsmann aus Augen, die an grüne Jade erinnerten, fast ein wenig mitleidig ansah.

„Fällt Euch gar nichts auf?“, fragte Vingo. Irritiert sah der Weihnachtsmann sich um. Die Vorbereitungen für den Abend des Jahres liefen auf Hochtouren. Alles lief wie am Schnürchen. Sein Wams war frisch gebügelt, der Schlitten wurde gerade einer Generalinspektion unterzogen und selbst Rudolf das Rentier gab dieses Jahr Ruhe. Was wollte man mehr? Der Weihnachtsmann wußte es nicht und schüttelte daher zögerlich den Kopf. Worauf beim gehörnten Rentier wollte dieser Elf bloß hinaus?

„Seht Euch mal die Wunschzettel an. Wenn Ihr nur einen ernsthaften Wunsch darunter findet, der den Geist der Weihnacht widerspiegelt, striegle ich ab morgen die Rentiere.“

„Ich“, ächzte der Weihnachtsmann, „habe heute jede Menge Termine. Schlitteninspektion, Rentierprobeflug, Routenplanung und so weiter. Du kennst das ja. Da ist kein Platz für zusätzliche Marketingaktionen.“

„Ts, ts, ts“, bemerkte Vingo ironisch, der den sich windenden Weihnachtsmann betrachtete, als habe er ein störrisches Kind vor sich, während er aus den Tiefen seiner grünen Kleidung einen Stab hervorholte. Er versprühte kleine Leuchtsterne. „Die Belegschaft hat entschieden“, verkündete er in energischem Ton, während der Weihnachtsmann in seinem roten Wams zu schwitzen anfing. Das Ganze klang nicht gut.

„Ihr wollt auf dem Schlitten mitfahren?“, versuchte er, die Situation zu retten, während er in böser Vorahnung den Stab nicht aus den Augen ließ. Vingo schüttelte den Kopf und betrachtete Zwolgo mit einem vernichtenden Blick, der bei der Frage erfreut mit dem Kopf genickt hatte und nun plötzlich ein feuriges Interesse für die noch zu bearbeitende Post entwickelte. So eifrig hatte Vingo den Zwerg selten erlebt.

„Ihr habt bis heute Abend achtzehn Uhr Zeit, ein Kind, das den Glauben an den Weihnachtsmann verloren hat, davon zu überzeugen, daß es ihn doch gibt, ohne daß Ihr offenbaren dürft, daß Ihr der echte Weihnachtsmann seid. Ein Zauber wird verhindern, daß man Euch erkennt und Ihr auf Fragen, ob Ihr der echte Weihnachtsmann seid oder ähnliches, antworten könnt. Ihr würdet eine böse Überraschung erleben, solltet Ihr es versuchen. Und nun viel Glück.“ Mit einer theatralisch anmutenden Geste hob Vingo den Zauberstab, der eine Leuchtspur aus bunt glitzernden Sternen hinter sich herzog. „Wir alle vertrauen auf Euren Erfolg. Zeigt uns, daß der wahre Geist der Weihnacht noch immer lebt und unsere Aufgabe am Nordpol nicht sinnlos ist.“

Ein gleißender Sternenblitz schoß aus der Spitze des Stabes und ließ die Umgebung verblassen. Der Weihnachtsmann hatte plötzlich das Gefühl, in ein mit grellen Sternen angefüllten Abgrund zu fallen.

„Wo schickst du mich hin?“, brüllte er aus Leibeskräften, während er in erschreckendem Tempo tiefer und tiefer fiel.

„Nach Hamburg“, tönte schwach die Stimme des Elfen, den der Weihnachtsmann nur noch als blasses Schemen weit über ihm erkennen konnte. Dann verschluckte ihn endgültig die Kaskade aus bunten Sternen, und der Weihnachtsmann wußte, daß er die ungewöhnlichste und vielleicht wichtigste Reise seines Lebens antrat.

Schneeflocken wirbelten im einem verspielt anmutenden Reigen durcheinander und versperrten Svenja die Sicht auf den verwilderten Garten jenseits des alten Fensters. Der Wind ließ das alte Dachgebälk ächzen, als ahne das Haus, was ihm demnächst bevorstehen würde. Mit einem Seufzen wandte sie sich wieder dem Brief zu, der vor ihr auf dem Schulschreibtisch lag. Das blütenweiße Papier stand im krassen Gegensatz zum alten Holz des ausrangierten Schulschreibtisches, den Svenja so liebte. In nüchternen Worten hatte sie nun Schwarz auf Weiß, was sie seit Monaten nicht wahr haben wollte, aber tief in ihrem Inneren immer befürchtet hatte.

Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, daß das Waisenhaus mit Wirkung zum 31.01. des kommenden Jahres geschlossen wird.

Es folgte eine lapidare Begründung, die sich im Wesentlichen auf die hohe Vermittlungsrate der letzten Monate und den maroden Zustand des Objekts bezog sowie eine Andeutung zwischen den Zeilen hinsichtlich ihrer beruflichen Zukunft.

Das darf doch einfach nicht wahr sein, dachte Svenja und schlug mit der Faust derart wütend auf den Schreibtisch, daß sich Stuka erschrocken schnatternd von ihrem Ruhekissen erhob und aufgeregt mit den Flügeln schlagend durch das Zimmer watschelte.

„Tut mir leid Stuka, leg dich wieder hin“, beschwichtigte Svenja die aufgebrachte Graugans, die seit dem Herbst fest zum Inventar des Hauses gehörte. Vorwurfsvoll schnatternd watschelte Stuka wieder zu ihrem Kissen, nicht jedoch ohne einen sehnsuchtsvollen Blick nach draußen zu werfen, wie Svenja mitfühlend registrierte.

Die Gans vermißte den Sommer.

Vielleicht bedauerte sie es ja, es ihren Artgenossen nicht gleich getan und in den Süden gezogen zu sein, aber mit einem gebrochenen Flügel wäre das kaum möglich gewesen.

„Du hast Glück gehabt, daß dir das ausgerechnet bei uns passiert ist, sonst wärst du vermutlich als Braten geendet“, neckte sie die leise schnatternde Gans in Erinnerung an den Tag, als sie Stuka verletzt im Garten gefunden und versorgt hatte. Der Gans hatte die Pflege so gut gefallen, daß sie einfach nach ihrer Genesung geblieben und zum Liebling der Kinder geworden war. Svenja schmunzelte bei der Erinnerung, doch dann fiel ihr Blick wieder auf den Brief, und die Gegenwart holte sie unerbittlich ein.

All das Vertraute um sie herum war dem Untergang geweiht.

Was aus ihr wurde, war ihr dabei nicht so wichtig. Ganz anders fühlte sie aber, wenn sie an die Zukunft der Kinder dieses Heims dachte. Insbesondere an die Zukunft eines Kindes. Die Adoptionsverfahren waren abgeschlossen oder standen kurz vor dem Abschluß. Nur für ein Kind hatte sich bisher keiner interessiert.

Für Lisa.

Mit ihren fünf Jahren war sie das älteste Kind im Waisenhaus und damit alles andere als im vorteilhaften Vermittlungsalter. Jüngere Kinder waren gefragter. Svenja hatte das nie verstanden, denn sie hatte das Mädchen mit dem schwarzen Lockenschopf und den blitzenden blauen Augen sofort ins Herz geschlossen. Lisa, die bei einem Autounfall vor drei Jahren ihre Eltern verloren und keine anderen lebenden Verwandte hatte, hatte ihr Herz sofort im Sturm erobert. Svenja hatte sogar schon selbst ein Adoptionsantrag gestellt, war aber gescheitert. Alleinstehend, berufstätig, eine zu kleine Wohnung waren nur einige der Gründe gewesen, warum man ihren sozialen Hintergrund als ungeeignet eingestuft hatte.

Was das Herz fühlte, hatte keiner gefragt.

Genauso wenig wie jetzt.

Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan, der Mohr kann gehen, und die Stadt das Grundstück an einen Bauunternehmen lukrativ verkaufen.

Es war frustrierend.

Wenn Svenja jemals einen Weihnachtswunsch gehabt hatte, dann jetzt. Aber wer erfüllte einer enttäuschten, allein gelassenen Fünfundreißigjährigen schon noch Wünsche.

Der Weihnachtsmann?

Schön wäre es, aber an Wunder glaubte sie schon lange nicht mehr.

Der Weihnachtsmann hätte viel darum gegeben, wenn ihm ein kleines Wunder geholfen hätte, seine Landung sanft zu gestalten. Doch dem war nicht so. Mit einem schmerzhaften Aufklatschen endete die Reise abrupt in einem mächtigen Schneehaufen, aus dem er sich wie ein schlaftrunkener Bär auf die Füße kämpfte. Wütend wischte er sich den Schnee aus dem Gesicht, und stellte dabei entsetzt fest, daß er statt seines langen, gepflegten weißen Bartes nun über eine kurze, struppige Barttracht verfügte, die jedem Stadtstreicher zu Ehre gereicht hätte. Ein weiteres Abtasten ließ ihn erschrocken aufkeuchen, als er ein kahles Haupt ertastete, bar der üppigen weißen Haartracht, die sein Kopf bis eben noch geziert hatte, und sauber poliert war, wie eine Billardkugel.

Dieser verfluchte Elf! Rentierstriegeln wird dir noch wie ein Erholungsurlaub vorkommen, knurrte der Weihnachtsmann, während er die Inspektion fortsetzte. Natürlich war auch sein schönes rotes, magisch wärmendes Wams verschwunden. Statt dessen trug er nun einen schwarzen, ausgeleierten Rollkragenpullover unter einem grauen, kratzigen Wollmantel, der schon bessere Tage gesehen hatte und eine verblichene blaue Jeans nebst schwarzen Winterstiefeln. Eine Kombination, die mit dem Weihnachtsmann soviel gemein hatte, wie der Osterhase mit den Blues Brothers.

Das konnte ja heiter werden!

Wie sollte er in diesem Outfit bloß überzeugend sein?

Apropos überzeugend sein, rief sich der Weihnachtsmann in Erinnerung und nahm erst einmal seine Umgebung in Augenschein. Offenbar war er zumindest am richtigen Ort gelandet. Unter ihm lag ein Gewässer, in deren Mitte ein mächtiger, beleuchteter Weihnachtsbaum in den Himmel ragte, und am anderen Ufer konnte er die prächtig erleuchteten Fassaden diverser Kaufhäuser entdecken. Na dann wollen wir mal, sprach sich der Weihnachtsmann selber Mut zu, kämpfte sich den kurzen Weg zur Straße hinauf, wo auf mehreren Fahrspuren unzählige Fahrzeuge in beide Richtungen über eine gewaltige Brücke unbekannten Zielen entgegeneilten und machte sich auf den Weg. Es wäre doch gelacht, wenn er in dieser Umgebung nicht ein ungläubiges Kind zum Glauben an den Weihnachtsmann bekehren könnte.



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Kurzbeschreibung:
Das Kind darf mit dem Weihnachtsmann und Rentier Rudi zum Nordpol reisen. Ein wundersamer Weihnachtswunsch wird Wirklichkeit, während der Weihnachtsmann und Rentier Rudi mitten in den Vorbereitungen für den Heiligen Abend stecken.

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