Christmas Card Day
Warum wir wieder mehr Weihnachtskarten schreiben sollten

Ein leises Rascheln, das Knacken eines Briefumschlags, die Handschrift eines Menschen, den man liebt – so beginnt manchmal Weihnachten. In einer Welt voller Sprachnachrichten und blinkender Emojis erlebt die klassische Weihnachtskarte ihr unerwartetes Comeback. Der „Christmas Card Day“ erinnert daran, wie viel Kraft in wenigen handgeschriebenen Zeilen steckt. Nicht als Nostalgie, sondern als Antwort auf das, was uns fehlt: echte Nähe, echtes Gefühl – auf echtem Papier.
Weihnachtskarten kommen aus England
Die Geschichte der Weihnachtswünsche auf Papier beginnt 1843 mit Sir Henry Cole in London, der die erste kommerzielle Karte drucken ließ. Von dort aus wanderte die Idee schnell in die USA, wo sie zu einer regelrechten Industrie wurde. Noch heute werden dort jedes Jahr über 1,3 Milliarden Karten verschickt – ein Beweis, dass Tradition und Emotion sich nicht ausschließen. In Deutschland dagegen scheint das Schreiben echter Weihnachtskarten über die Jahre leiser geworden zu sein. Die Zahlen der Deutschen Post zeigen, dass Briefvolumen und Grußkartenversand seit Jahren sinken. Doch gleichzeitig wächst das Bedürfnis nach persönlichen Gesten, nach etwas, das man anfassen, aufheben, in die Hand nehmen kann. Eine Karte mit echter Handschrift vermittelt Nähe, wo Messenger-Nachrichten längst anonym geworden sind.
Warum in England so viel Mühe gegeben wird
In England ist das Schreiben und Versenden von Weihnachtskarten weit mehr als eine Formalität. Es gilt als Zeichen von Achtsamkeit, Stil und sozialem Feingefühl. Wer dort Karten verschickt, zeigt, dass er Zeit investiert hat – nicht nur für den Gruß, sondern auch für die Auswahl des Motivs, des Papiers und oft sogar der Tinte. Schon im viktorianischen Zeitalter legten Familien großen Wert auf kunstvolle Gestaltung: handverzierte Ränder, geprägte Oberflächen oder kleine Schleifen machten jede Karte zu einem Unikat. Diese Sorgfalt hat sich über Generationen gehalten.
Die britische Postkultur spielte dabei eine entscheidende Rolle. Dank des frühen und effizienten Postsystems konnten Karten zuverlässig und schnell verschickt werden, was das Ritual festigte. In vielen Haushalten ist es bis heute Tradition, alle eingetroffenen Weihnachtskarten gut sichtbar aufzuhängen – an Türen, Kaminen oder Spiegeln. Jede Karte steht dort sinnbildlich für eine Beziehung, die gepflegt wird. Wer keine Karte erhält, spürt das Fehlen. Genau dieses gesellschaftliche Bewusstsein führt dazu, dass man in Großbritannien mehr Mühe in das Schreiben steckt.
So wird die Weihnachtskarte zum echten Hingucker
Viele Menschen nehmen sich jedes Jahr vor, endlich wieder Weihnachtskarten zu verschicken – und scheitern dann an einem weißen Blatt. Die Ideen fehlen, der Text klingt gekünstelt, die Gestaltung bleibt lieblos. Dabei ist es gar nicht schwer, eine Karte zu gestalten, die im Gedächtnis bleibt. Eine Weihnachtskarte muss kein Kunstwerk sein, sondern einfach ehrlich wirken. Wenn Sie ein wenig Zeit investieren, entsteht aus Papier, Worten und Gefühl etwas, das mehr sagt als jede digitale Nachricht.
Fangen Sie mit dem Wichtigsten an: Wem möchten Sie schreiben – und warum? Einem Freund schreiben Sie anders als einer Kollegin, den Eltern anders als dem Nachbarn. Wählen Sie danach bewusst das Format. Quadratische oder längliche Karten wirken moderner, gefaltete Varianten klassisch. Spielen Sie mit Materialien: Strukturpapier, Kraftpapier oder sanft glänzende Oberflächen machen Ihre Karte haptisch interessant. Auch online können Sie kreativ werden. Auf Plattformen gestalten Sie ganz unkompliziert eigene Weihnachtskarten, laden Fotos hoch, wählen Schriften und setzen Akzente mit Goldfolie oder Prägung. So bleibt die Karte persönlich, auch wenn sie professionell gefertigt wird.
Wenn Ihnen die Worte fehlen – so gelingt der perfekte Kartentext
Der Text ist das Herz Ihrer Karte. Er muss kein literarisches Meisterwerk sein, aber er sollte berühren. Schreiben Sie mit Gefühl, nicht mit Floskeln. Beginnen Sie mit etwas Persönlichem: „Ich denke in diesen Tagen oft an Sie“ oder „Dieses Jahr wollte ich einfach einmal Danke sagen“. Solche Sätze schaffen Nähe. Wenn Ihnen nichts einfällt, erzählen Sie kurz eine kleine Begebenheit aus dem Jahr oder teilen Sie einen Gedanken, der Sie bewegt. Eine ehrliche Zeile zählt mehr als hundert geschliffene Formulierungen.
Wer trotzdem gern reimt, kann das tun – aber mit Gefühl. Reime klingen dann gut, wenn sie natürlich wirken. Schreiben Sie zuerst den Gedanken auf, den Sie ausdrücken möchten, und suchen Sie erst danach passende Reimwörter. Zwingen Sie sich nie in ein starres Schema. Achten Sie auf den Rhythmus: kurze, fließende Zeilen lesen sich besser. Zum Beispiel:
„Ein Licht, das still im Fenster brennt,
erinnert uns, was wirklich trennt.
Nicht Zeit, nicht Raum, nur das Vergessen –
drum will ich Grüße nicht ermessen.“
Klingt einfach, wirkt ehrlich. Wenn Sie unsicher sind, lesen Sie Ihre Zeilen laut. Stolpern Sie, stimmt der Rhythmus nicht. Ein guter Reim muss leicht klingen, nicht gekünstelt.
Auch optisch können Sie Ihren Text betonen. Schreiben Sie den Reim mit Füller, setzen Sie eine kleine Verzierung daneben oder kleben Sie ein Stück Schleifenband an den Rand. Solche Details zeigen Sorgfalt.
Der richtige Zeitpunkt: Wann Sie Ihre Karten schreiben und verschicken sollten
Timing ist alles – auch bei Weihnachtskarten. Wer zu spät anfängt, riskiert Stress, unleserliche Handschrift und Karten, die erst nach den Feiertagen eintreffen. Damit das nicht passiert, hilft ein klarer Plan. Beginnen Sie spätestens Ende November mit einer Liste aller Empfänger. Denken Sie dabei nicht nur an Familie und Freunde, sondern auch an Kolleginnen, Nachbarn, Kundinnen oder Menschen, die Ihnen im Jahr geholfen haben. Diese Liste ist Ihre Basis – sie verhindert, dass jemand vergessen wird oder doppelt auftaucht.
Sortieren Sie die Empfänger in Gruppen: persönlich (enge Familie, Freunde), geschäftlich (Kunden, Partner) und allgemein (Bekannte, Nachbarn). Das erleichtert später die Ansprache. Für jede Gruppe können Sie den Stil der Karte und den Ton des Textes anpassen. Private Karten dürfen emotional sein, geschäftliche sollten höflich und dezent bleiben. Schreiben Sie sich am besten kleine Stichpunkte zu jeder Person auf: gemeinsame Erlebnisse, kleine Anekdoten oder einfach den Grund, warum Sie danken möchten. Das macht den Text später authentischer.
So planen Sie den Versand ohne Hektik
Wenn Sie etwa am ersten Adventswochenende mit dem Schreiben beginnen, liegen Sie perfekt in der Zeit. Schreiben Sie jeden Tag nur ein paar Karten, anstatt alles auf einmal zu erledigen – so bleibt die Schrift schön und die Worte wirken überlegt. Karten für das Ausland sollten spätestens Ende November fertig sein, da der Versand je nach Ziel bis zu zwei Wochen dauert. Innerhalb Deutschlands genügt es, wenn Sie Ihre Karten zwischen dem 10. und 15. Dezember abschicken. Die Deutsche Post empfiehlt, alle Sendungen bis spätestens 20. Dezember aufzugeben, damit sie rechtzeitig ankommen.
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