Eine romantische Weihnachten Liebesgeschichte

Elke Abt

Der verunglĂŒckte Weihnachtsmann

Kann man sich in den Weihnachtsmann verlieben? Was hat das alles mit einem E-Bike zu tun. Romantische Weihnachten Liebesgeschichte von Elke Abt. Diese Weihnachtsgeschichte und viele weitere romantische und lustige Weihnachtsgeschichten von Elke Abt finden Sie in ihrem Buch „Advents- und Weihnachtszeit„

Gisela, eine flotte, gut aussehende Siebzigerin und sportliche Radfahrerin, hatte sich selbst im letzten Jahr zu Weihnachten ein E-Bike geschenkt. NatĂŒrlich hatte sie mit dem Kauf nicht bis Heiligabend gewartet, sondern
war diesbezĂŒglich schon eine Woche vorher tĂ€tig geworden.

Sie war begeistert von ihrer neuen Errungenschaft und machte nun tÀglich eine Radtour, um sich mit dem schnellen und kraftvollen GefÀhrt vertraut
zu machen. Besonders gefiel ihr, dass das Fahrrad jede Steigung mĂŒhelos anging und sie ohne die geringste Kraftanstrengung ihrerseits in höhere Gefilde brachte.

Heiligabend war sie bei ihrer Tochter eingeladen, um mit ihr und deren Familie diesen Tag zu verbringen. Sie war seit einigen Jahren Witwe und sollte und wollte am Weihnachtsabend nicht allein sein. Ihre Angehörigen
wohnten auf der anderen Weserseite und sie musste sich mit der FĂ€hre von Blumenthal nach Motzen ĂŒbersetzenlassen.

Die Straßen waren schnee- und eisfrei und die Witterung Ă€ußerst milde. Hin und wieder fielen ein paar Regentropfen, aber Gisela war ja nicht aus Zucker. So beschloss sie, das Auto zu Hause zu lassen und sich auf den Sattel ihres Elektro-Fahrrads zu schwingen. Die Geschenke hatte sie in einer Tasche verstaut und an den Lenker gehĂ€ngt.
Nach Betreten der FĂ€hre stolzierte sie an den aufgereihten Autos vorbei und begab sich auf ihren Lieblingsplatz rechts in der NĂ€he des Ausgangs. Weiter vorn bemerkte sie einen Weihnachtsmann in vollem KostĂŒm, der dem Fahrtwind den RĂŒcken zugedreht hatte und in ihre Richtung schaute. Einige FahrgĂ€ste riefen ihm etwas zu, was er mit einem LĂ€cheln quittierte.

Gisela beschloss, die FĂ€hre unmittelbar nach dem Anlegen zu verlassen, noch bevor das FĂ€hrpersonal den Autofahrern das Zeichen zum Starten gab, und sich von ihrem tollen Zweirad die steile Rampe hochbringen
zu lassen. Bei der letzten Minikreuzfahrt ĂŒber die Weser hatte sie die FĂ€hre nach den Autos verlassen und musste sich als Abgasverzehrer betĂ€tigen, denn ĂŒber der Rampe schwebte eine dicke nach Diesel und Benzin stinkende Wolke von Auspuffgasen.
Damit sie gleich ordentlich Fahrt drauf hatte, wĂ€hlte sie einen hohen Gang und stellte wild entschlossen einen Fuß auf die Pedale, nachdem die FĂ€hre ihr Ziel erreicht hatte. Als sich das FußgĂ€ngertor öffnete, startete Gisela. Das Fahrrad schoss vorwĂ€rts und riss sie mit. Sie kam nicht mehr zum Aufsteigen, denn das GefĂ€hrt war außer Kontrolle geraten.

Die rasante Fahrt des Drahtesels endete abrupt, als das Vorderrad
gewaltsam in den Schritt des ahnungslosen Weihnachtsmannes eindrang.
„Uff!“, entfuhr es dem Mann im roten Mantel nach dem Volltreffer. Er taumelte, verlor das Gleichgewicht und fiel nach hinten in eine schmutzige Wasserlache, die der letzte Regenschauer hinterlassen hatte. Gisela
stolperte ĂŒber seine im Wege liegenden FĂŒĂŸe und schlug mit den Knien auf das nasse, dreckige Eisenblech der FĂ€hre auf. Ihr Oberkörper landete in der Magengegend des Weihnachtsmannes, was ihn abermals ein
deutliches „Uff!“ ausstoßen ließ. Das Fahrrad kippte zur Seite und verteilte einige Geschenke auf dem Boden, bevor es die beiden VerunglĂŒckten unter sich begrub.

Gisela starrte entsetzt in das schmerzverzerrte Gesicht des unter ihr liegenden fremden Mannes. Sie versuchte sich zu erheben, was jedoch durch das auf ihr liegende Fahrrad unmöglich war. Hilfreiche HĂ€nde griffen
zu und stellten die beiden am Boden Liegenden wieder auf die Beine, sammelten die Geschenke ein und fragten nach ihrem Befinden. „Ist schon in Ordnung, vielen Dank“, lehnte Gisela weitere Hilfsangebote
benommen ab. „Nein danke, ist nicht nötig“, antwortete auch der Weihnachtsmann seinen besorgten Helfern.

Gisela schob das tĂŒckische Fahrrad mit schmerzenden Knien durch den Abgasnebel die Rampe hinauf, dabei zahlreiche Entschuldigungen murmelnd: „Tut mir ja so leid . . .“, „ausgerechnet heute“ . . ., „ist mir ja
noch nie passiert“ . . ., hörte der lĂ€dierte Weihnachtsmann, der sie auf dem Weg nach oben begleitete.
Außer dem durchnĂ€ssten Mantel hatte er weitere Defizite. Gisela hatte ihm beim Sturz eine aufgeklebte weiße Augenbraue und einen Teil des Wattebartes abgerissen, was ihm ein komisches Aussehen verlieh.
Oben angekommen, betrachtete der Mann in Rot ausgiebig die Person, die soeben den heimtĂŒckischen Anschlag auf ihn verĂŒbt hatte. Was er sah, gefiel ihm. Er fand die wilde Drahtesel-Amazone recht attraktiv.
Auch Gisela nahm den Fremden genauer in Augenschein und musste ĂŒber sein ramponiertes Aussehen lachen, was zur Entspannung der Situation beitrug. Sie gab ihm ihre Telefonnummer – fĂŒr den Fall, dass sich
bei ihm FolgeschĂ€den einstellen sollten. Dann wĂŒnschten sie sich gegenseitig „frohe Weihnachten“ und gingen auseinander.

Giselas Tochter staunte nicht schlecht, als ihre Mutter mit verdreckter heller Hose und wirrer Frisur vor ihr stand. Über ihrem linken Ohr klebte ein weißer Wattestreifen, der aussah wie eine verrutschte Augenbraue.

   

  

Im nĂ€chsten Jahr fuhr Gisela Heiligabend nicht zu ihrer Tochter, sondern blieb mit ihrem Mann allein zu Hause. Sie hatte ihre und er seine Kinder am 1. Feiertag zum Essen eingeladen – zwecks FamilienzusammenfĂŒhrung.

Vier Wochen zuvor hatte Gisela ihrem „Weihnachtsmann“ in aller Stille und Heimlichkeit das Jawort gegeben und wollte es heute bekanntgeben. Sie liebte von jeher Überraschungen!

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Das Buch beinhaltet heitere und besinnliche Geschichten sowie Gedichte und Backrezepte fĂŒr die Advents- und Weihnachtszeit. Einige Geschichten fĂŒhren die Leser oder Zuhörer in vergangene Zeiten, zum Beispiel in die Nachkriegszeit des 2. Weltkrieges, als die Geschenke sehr spĂ€rlich ausfielen. Es sind aber auch lustige ErzĂ€hlungen und Gedichte aus der Gegenwart dabei, die den Leser erfreuen werden. Die Backrezepte laden zum Nachmachen ein. Die Bilder wurden von Rolf Metzing gezeichnet.

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Octavia Bender, die Autorin hat uns mehre schöne fantasievolle und spannende Weihnachtsgeschichten fĂŒr Kinder und Erwachsene ĂŒbermittelt.
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