Weihnachtsbesuch eines Engels

Barbara Pronnet

kurze nachdenkliche Familien Weihnachtsgeschichte f├╝r Kinder, Jugendliche und Erwachsene ├╝ber die Hektik zur Weihnachtszeit

├ťber einer Stadt schwebte der Geist der Weihnacht.

Die Einkaufstrasse bebte unter der Hektik der Menschen auf der Suche nach den letzten Geschenken. Der Weihnachtsmarkt auf dem Hauptplatz zeigte sich als leuchtender, glitzernder Verf├╝hrer, winkte in den letzten Z├╝gen mit Zimtgeruch und Gl├╝hweinduft. L├Ądt die Suchenden zum kurzen Verschnaufen ein bevor die Jagd nach dem perfekten Geschenk weiter geht. Die Zeit dr├Ąngt. Alle wollen nach Hause und den Stress hinter sich lassen. Weihnachten sp├╝ren, zur Ruhe kommen.

Ein Engel beobachtete aus der kalten Winterluft das irdene Treiben. Aus der Distanz, losgel├Âst vom Druck des M├╝ssens, Habenwollens und Schmerzes, aber auch der W├Ąrme, Liebe und Freude an die er sich noch erinnern konnte. Ohne Zeit und Raumgef├╝hl, erf├╝llt mit den Erinnerungen durch seine Familie konnte er sich auf diese Reise begeben. Sein Bed├╝rfnis sich seinen Lieben zu n├Ąhern war so stark das er das ziellose Wandern durch die Unendlichkeit nicht mehr l├Ąnger ertragen konnte. Die Herzen der Menschen waren verh├Ąrtet, sie sp├╝rten nicht die Botschaften ihrer Verstorbenen die sich ihnen n├Ąhern m├Âchten, weil sie getrieben wurden, durch das Alltagsleben wie eine Herde Vieh zur Schlachtbank. Es war den Lichtwesen kaum m├Âglich ihre zarten Hinweise an ihre Lieben zu senden an diese verschlossenen T├╝ren ihrer verarmten Seelen.

┬ę Energieengel von Gabriela Mayer.
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Er war selbst oft so gewesen, als er noch als Mann auf Erden lebte, hatte sich nicht ├Âffnen k├Ânnen f├╝r die Signale die von irgendwo her kamen, die nicht real genug f├╝r ihn waren oder die er nicht sehen konnte. Die Realit├Ąt seiner Lebensf├╝hrung lie├č es einfach nicht zu.

Aber an Weihnachten war pl├Âtzlich alles anders. Er f├╝hlte die N├Ąhe seiner Familie so stark wie nie zuvor. Als w├╝rden sich auf Erden alle Herzen ├Âffnen und Einlass gew├Ąhren. Als w├╝rden alle Menschen aufeinander zugehen und sich umarmen. Die W├Ąrme und den Frieden die sie dabei ausstrahlten, vereinte sich zu einem Bund der Liebe und Vergebung wie ein unsichtbarer Weg auf dem die Engel hinab gleiten konnten direkt zu ihren Lieben.
Er flog leicht wie eine Feder unsichtbar durch die engen Stra├čen seiner Stadt. Lie├č sich mit den Windb├Âen ├╝ber die D├Ącher der H├Ąusermassen tragen, vorbei an seiner Schule in der er als Kind f├╝rs Leben lernte, zu dem B├╝rogeb├Ąude an dem er sein Geld verdiente, verweilte kurz an dem Krankenhaus in dem er geboren wurde und in dem er im Kreise seiner Familie starb, so schnell und viel zu jung. Es zog in hin zu seinem geliebten Stadtpark. Die Wiesen waren mit einer leichten Schneedecke zugedeckt, die B├Ąume wie mit Puderzucker best├Ąubt, erstarrt durch den harten Frost der gestern Einzug gehalten hatte. Wie sehr er diesen Park geliebt hatte, wie viele Stunden er in seinem irdischen Leben dort verbracht hatte, den ersten Kuss erhalten, H├Ąndchenhaltend spazieren ging mit der Frau und sp├Ąteren Mutter seiner geliebten Tochter. Wie eine M├Âwe knapp ├╝ber den Wellen des Meeres glitt er ├╝ber den zugefrorenen kleinen See der Anlage dahin, zog sich dann hoch in die K├Ąlte des Abendhimmels hin zu dem Glockenl├Ąuten des Doms der zur ersten Christmesse einlud.
Der festlich geschm├╝ckte Christbaum vor der Kirche lie├č ihn innehalten. Dieser herrliche Lichterschein der Tanne erf├╝llte ihn kurz mit Freuden l├Ąngst vergangener Gef├╝hle die sich Weihnachten in sein Herz schlichen. Die Liebe zu seinen Zur├╝ckgelassenen ├╝berw├Ąltigte ihn.

Es war das erste Weihnachten f├╝r sie ohne ihn.
Seine Frau w├╝rde mit der gemeinsamen Tochter, seinem geliebten Enkelkind und seinem Schwiegersohn feiern. Sie w├╝rde den Baum das erste Mal ohne ihn schm├╝cken, mit dem gleichen Schmuck den sie zusammen vor Jahren gekauft hatten, den Braten und die Kn├Âdel herrichten und die Geschenke um den Christbaum verteilen. Nach der Geschenkverteilung w├╝rde sie Punsch und selbstgebackene Pl├Ątzchen reichen. So wie sie Weihnachten jedes Jahr feierten, fr├╝her zu zweit, dann mit der Tochter und sp├Ąter mit deren Freund und jetzt Mann und Enkelsohn. W├╝rde er den Anblick ertragen k├Ânnen dies alles zu sehen aber nicht dabei sein zu k├Ânnen? Niemanden umarmen d├╝rfen, keine K├╝sse verteilen, Wangen streicheln. W├╝rden seine Signale ihre Sinne erreichen und ihn bei sich sp├╝ren k├Ânnen? Vorsichtig n├Ąherte er sich der Stra├če in der er so viele Jahre gelebt hatte. Er glitt durch die kalten Hausmauern, erregt und voller Furcht vor seinen Gef├╝hlen und sah seine Familie im gem├╝tlichen Wohnzimmer Weihnachten feiern, genauso wie er es sich ausgemalt hatte in seiner Hoffnung.
Bewegt und stolz beobachtete er seine Familie und ein kurzes Schmerzgef├╝hl durchzuckte ihn, als er Tr├Ąnen in den Augen seiner Frau sah und seine Tochter den Arm um die Schultern der Mutter legte und sie liebevoll festhielt. Sein Schwiegersohn packte mit seinem Enkelkind ein Geschenk aus.

Ein tiefer Seufzer durchdrang ihn und die Kerzen auf dem herrlichen Christbaum flackerten leicht und seine Frau sah durch ihn hindurch und l├Ąchelte. Sie sp├╝rte seine Anwesenheit, dass f├╝hlte er und sein Drang sie zu umarmen lie├č ihn erzittern.

Doch etwas hielt ihn davon ab, forderte ihn auf zur├╝ckzukehren, er musste loslassen. Er war schon zu lange hier. Wurde gerufen und er f├╝hlte dass es gut und richtig war. Noch einmal sah er seiner Frau in die Augen und mit diesem Bild der unendlichen Liebe verlie├č er lautlos den Raum, flog hoch in die heilige Nacht, leicht und schwerelos zur├╝ck an Gottes Herz.

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