Hexe Krumbichel feiert Weihnachten

Kinderweihnachtsgeschichte von Anneliese Kranzberger über eine Hexe

Altersempfehlung für diese Kinderweihnachtsgeschichte: 4-8 Jahre

Kräuterhexe Krumbichel saß auf ihrem dreibeinigen dunkelroten schäbigen Polstersessel und badete ihre Füße in einem heißen Kamillienbad. Draußen bließ der eisige Wind um ihr marodes vierkaminiges Hexenhäuschen, während die Schneeflocken nicht mehr aufhörten vom Himmel zu fallen. Sie liebte solch wildes Schmuddelwetter! Und, wenn dann auch noch, in den vier Eckkaminen ihres Einzimmerhexenhäuschens das Feuer fauchte und knisterte, dann war sie ganz zu frieden mit sich und der Welt. Nur leider kam sie viel zu selten dazu, sich so ein Wohl-Fühl-Programm zu gönnen, weil sie ständig unterwegs sein musste, um den Menschen mit ihren miesen Hexereien Kummer zubereiten.

Doch, so war es noch vor einigen Tagen.                                          
Jetzt war alles anders!

Warum? – Darum!!! Weil Hexe Krumbichel sich dazu entschlossen hatte eine gute Hexe zu werden. Und schuld daran war Hexe Fidelia.  Sie, hatte sie mit ihrem ewigen Gerede: „Wie kann man nur immer Schlechtes tun, wenn Gutes tun viel glücklicher macht!“, dazu überredet. Nur hatte sie sich, den schlechtesten Zeitpunkt vom Jahr dafür ausgesucht. Denn es war Adventszeit!

Und während dieser Zeit war sie noch viel mehr und viel lieber unterwegs, um den Menschen mit ihren Schabernacks kräftig in die Suppe zu spuken. Aber nun gab es kein zurück mehr. Denn, schließlich hatte sie Fidelia versprochen, dass sie nun eine gute Hexe werden wollte. Und sie wollte ihr Versprechen halten und so war sie nun auf ihren Besen, auf den Weg zum kleinen Tannenhof. Dieser war seit Jahren, immer der erste Ort, den sie ansteuerte, wenn sie in der Weihnachtszeit als böse Hexe unterwegs war. Und  gerade, weil  sie  dort, wunderbare  Stunden als  böse   Hexe  erleben   durfte,   hoffte   sie   nun   dort,  auch   als   gute Hexe,  herrliche Stunden erleben zu dürfen.

Als sie schließlich dort ankam, waren schon jede Menge Besucher, vorallem Kinder, im verschneiten Tannenwald unterwegs um sich ihren Christbaum auszusuchen. So wollte auch sie gleich damit loslegen,  sich als gute Hexe nützlich zu machen, wäre da nicht wieder diese lästige Stimme in ihr drinnen gewesen, die versuchte sie davon abzuhalten.

„Krumbichel! Krumbichel! Du warst doch immer eine gute böse Hexe! Warum willst du das nun ändern? Denk doch mal daran, welchen Spass du letztes Jahr hier auf dem kleinen Tannenhof hattest. Als plötzlich einige Besucher einen knalligen kunterbunten, statt ihren ausgesuchten selbstgefällten grünen Tannenbaum in den Händen hielten. Das war doch eine tolle Hexerei von dir! Oder, als bei einigen Leuten die Tannenbaumspitzen vor ihren Augen abbrachen und ihnen um die Ohren flogen. Das war doch so ein herrliches Hexenchaos! – Oder, weißt du noch, wie lustig es war, als manche Leute versuchten den Weihnachtsbaum zu fällen, aber jeder Versuch daran scheiterte, weil sich die Sägeblätter bogen, als wären sie aus Gummi. Sei ehrlich! Willst du das wirklich nicht mehr alles erleben? Das glaube ich nicht! Du bist doch keine Hexen-Memme!“

Oh ja! Seit sie beschlossen hatte, eine gute Hexe zu werden, hatte sie ständig Probleme mit der miesen Stimme in ihr drinnen.  Warum sie aufeinmal da war? Keine Ahnung! Sie wusste es nicht! Doch, wenn sie sich meldete, dann bekam sie auch immer eiskalte Füsse, ihre lange krumme Nase wurde feuerrot und ihre Pupillen hörten nicht mehr auf, wild zu kreisen. Das war alles sehr unangenehm! Was hatte sie nicht schon alles versucht, um sie wieder los zu werden. Mit den altbewährten Hexenzaubereien hatte sie keinen Erfolg. Auch kein Hexentrank, kein Hexenpulver, keine Hexensalbe,  kein Unkenschleimgel,   keine    Feenkrauthühnerkackepaste, kein Feuerfunken-zauberwasser, keine Taubenmisteingefangeneunkenrufpampe.…. Nichts! Nichts womit sie die Stimme in ihr drinnen wieder los wurde!  Krumbichel verstand das nicht!

„Verschwinde endlich! Du gehst mir auf den Keks! Ich will nun eine gute Hexe werden!“, versuchte Krumbichel sie nun erneut los zu werden. Und dabei stampfte sie mit ihren Füßen, drehe solange am Bommel ihrer Mütze, bis ihre Pupillen aufhörten sich zu kreisen und vergrub ihre rote Nase solange unter ihren giftgrünen Handschuhen, bis sie nicht mehr rot war. Auf gar keinen Fall wollte sie auf sie hören. Das hatte sie sich beim letzten Einknicken ganz fest geschworen.

„Mein Baum ist viel schöner!“ – „Stimmt doch gar nicht. Meiner ist viel schöner!“ – „Der hat doch eine krumme Spitze und seine Nadeln sind dünn!“ –  „Obwohl du eine Brille trägst, kannst du nicht sehen, dass mein Tannenbaum viel schönere Nadeln hat als deiner. Du Blindekuh!“ – „Bäh! Ich kann noch viel mehr sehen. Er hat nicht nur eine krumme Spitze und dünne Nadeln, sondern er ist einfach häßlich von oben bis unten! Und ich weiß auch noch viel mehr als du. Nämlich! Das du blöd bist!“. Die beiden Streithähne Inka und Jens wurden immer lauter, so dass sich schon die anderen Besucher nach ihnen umdrehten.

„Geht`s noch!“, tadelte ihr Vater sie schließlich.
„Aber mein Tannenbaum ist der Schönere und ich bin keine Blindekuh!“, verteidigte sich Inka und schob ihre Brille auf die Nase.
„Und ich bin nicht blöd und ich sage mein Tannenbaum ist viel schöner!“, erwiderte Jens, ihr Bruder und schniefte laut.
„Das ist echt zum Verrückt werden mit euch beiden. Könnt ihr nicht einmal einer Meinung sein!“, schelte sie ihr Vater.
Hexe  Krumbichel  war  der  Streit  der  Beiden  auch  nicht entgangen. 
Neugierig geworden näherte sie sich ihnen, um sie zu belauschen. Doch  schon  nach  einpaar  Sätzen  wusste  sie, worum es den Beiden 
ging. Um das „Recht haben“! Doch sie wusste auch gleich, dass sie nun als gute Hexe gefragt war. Sofort! Hier und jetzt!
„Nun wirst du sehen Hexe Fidelia, wie gut ich eine gute Hexe sein kann!“, und um die Beiden besser sehen zu können, flog sie auf den Gipfel der neben ihnen stehenden hohen Tanne und machte es sich dort bequem. Während sie, unsichtbar für die Beiden, ihr Kinn auf den Hexenbesenstiel stützte und ihren Hexenstab auf sie richtete, sprach sie ihren ersten guten Hexenspruch.

„Aus Eins und Zwei mach drei.
Aus Drei mach Eins,
so wird es Dein und Mein sein.
Simsalabim!
So gedacht, so gesagt, so getan!
Simsalabim!


Inka und Jens kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Vor ihnen stand plötzlich ein wunderschöner Tannenbaum.
„Der ist aber schön!“, rief Inka mit einem tiefen Seufzer.
„Du sagst es!“, meinte auch Jens begeistert. „Das ist unser Weihnachtsbaum!“
„Genau!“, gab ihm Inka recht. „Stell ihn dir doch mal mit unseren tollen Christbaumschmuck vor.
„Ja! Mit den großen roten glänzenden Kugeln, den vielen hölzernen bunten Figuren, den goldenen Kerzen, den vielen Strohsternen…. So einen schönen Christbaum hatten wir bestimmt noch nie!“, schwärmte Jens.

„Dann  sagen  wir  Papa  Bescheid, dass  wir  Den, als  unseren  Christbaum haben wollen!“, schlug Inka vor und Jens stimmte ihr zu.
„Das machen wir!“

Als Krumbichel Inka und Jens sah, wie sie sich über ihre erste gute Hexentat freuten, hätte sie sie am liebsten umarmt. Gleichzeitig wusste sie aber nicht, wie ihr geschah. So eine Freude hatte sie noch nie verspürt. Sie hätte ununterbrochen Salto`s schlagen und mit den nun fallenden Schneeflocken ihr stummes fröhliches Schnee-flockenlied immerzu singen können. „Tirrile Tirrila Fallala! Tirrile Tirrila Fallala! Tirrile Tirrila Fallala!

Von diesem Freudentaumel angespornt, machte sie sich schließlich auf den Weg zu den vielen Adventsmärkten, um noch mehr gute Hexenwünsche erfüllen zu können. Und Gelegenheiten, wo sie helfen, so manchen Schmerz lindern und so manche Dummheit abwenden konnte, gab es genug. Sie konnte gar nicht mehr aufhören Gutes zutun, wäre nicht plötzlich Hexe Fidelia aufgetaucht um sie zum Einhalten ihres Versprechens zu gratulieren. 0„Du hast also Wort gehalten, Krumbichel! – Und wie fühlst du dich nun so als gute Hexe?“
„Hexenmäßig-Super! Hexen-Cool! Krumnasen-Stark! Und was weiß wie noch!“, rief Krumbichel vor Freude.
„Das ist schön! Aber weißt du was mir noch eingefallen ist!“, sagte Fidelia. „Wir könnten doch Weihnachten miteinander feiern! Jetzt wo du eine gute Hexe bist!“ „Ich habe noch nie Weihnachten gefeiert!“, sagte Krumbichel und  überlegte. „Du meinst so mit einem geschmückten Tannenbaum und brennenden Kerzen und…..!“
„Ja genau!“, fiel Fidelia ihr ins Wort. „Du kannst den Tannenbaum, der vor deinem Hexenhäuschen steht weihnachtlich schmücken. Sicher hast  du  ein paar  schlaue  Hexensprüche  auf Lager, die das erledigen können.  Wir  könnten  dann  gemeinsam  essen,  singen  und  einfach glücklich sein! Weihnachten ist doch das Fest der Liebe und des Friedens! Weißt du das nicht?“
„Nein! Woher auch!“, schüttelte Krumbichel den Kopf.
„Die Menschen glauben doch an Gott!“, begann Fidelia Krumbichel zu erzählen. „Dieser hat vor vielen tausend Jahren, mit der Geburt sei- nes Sohn den Auftrag erteilt, das Friede auf der Erde sein soll. Und so viel ich auch weiß, waren Maria und Josef seine Erdeneltern! Weil das ein großes Ereignis war, feiern die Menschen nun jedes Jahr am 24. Dezember und noch zwei weitere Tage den Geburtstag von Jesus. Jesus ist der Name, den Gott seinem Kind gegeben hat!“ Krumbichel staunte was Fidelia alles so wusste.
„Und wann ist der 24. Dezember?“
„Hm! Das dauert noch eine Weile!“, sagte Fidelia und begann die Tage an seinen Fingern abzuzählen. „Ein zwei drei vier fünf……. vierzehn Tage!“

„Dann werde ich die Zeit noch nutzen, um mich weiter als gute Hexe einzuarbeiten“, meinte Krumbichel. Hexe Fidelia grinste und meinte. „Ja mach das! Wir treffen uns dann am `Heilig Abend`. Einverstanden!“
Anfangs war Krumbichel viel damit beschäftigt sich weiter als gute Hexe zubetätigen. Und, weil sich in der Zwischenzeit auch bei den guten Hexen herumgesprochen hatte, wie gut sie nun als gute Hexe war, spornte sie das noch mehr an. Doch, je näher der 24. Dezember heranrückte, um so ungeduldiger wurde sie, endlich Weihnachten feiern zu können. Sie konnte sich auch schon gut vorstellen, wie ihr Christbaum aussehen sollte. Die dazu notwendigen Hexensprüche hatte sie in ihrem Hexenköpfchen schon parat.
Dann endlich! Heiliger Abend!

Am  späten  Abend  kam  Hexe Fidelia. Sie gab Krumbichel die Anweisung   nun   den  Tannenbaum    zu  schmücken.  
Was   sie   mit  großer Begeisterung gerne tun wollte. Mit ihrem Hexenstab zeichnete sie seltsame Zeichen in die Luft, während sie leise ihre Hexenformeln sprach. Bei jedem zeigen mit dem Hexenstab auf den Tannenbaum wurde er mit allerlei Christbaumschmuck  behängt.  Zuerst  mit  roten  und  blauen Kugeln, dann mit kleinen silbernen Tannenbäumchen und vielen gelben Sternen. Schließlich mit goldenen Kerzen, deren brennende Flammen funkelnde Sternchen von sich warfen. Auf die Spitze des Baumes setzte sie noch einen großen goldenen Stern. Ein wunderschöner Christbaum war nun der Tannenbaum. Krumbichel und Fidelia waren begeistert davon und Fidelia sagte lobend.
„Da ist dir aber ein Meisterstück gelungen!“

Über dem Lagerfeuer, das Fidelia heran gezaubert hatte, stand auf vier Beinen ein großer Kupferkessel in dem eine leckere Hexensuppe köchelte. Eine ganze Holzkiste voll Sternenplätzchen stand auch daneben.
Während es immer dunkler wurde und der Himmel mehr und mehr Besuch von den großen und kleinen Sternen bekam, saßen Krumbichel und Fidelia unter dem Christbaum und sangen Weihnachtslieder.
Stille Nacht! – Alle Jahre wieder! – O Tannenbaum o Tannenbaum….!
Bis spät in die Nacht saßen sie dort. Friedlich und glücklich!

Von der Stimme in ihr drinnen hörte sie nichts mehr.
Woran das wohl lag?

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